Ertrinken zählt weltweit zu den häufigsten Todesursachen bei Kindern. Eine der wichtigsten strategischen Ausrichtungen von European Aquatics ist daher die Entwicklung nachhaltiger Schwimmlernprogramme gemeinsam mit den nationalen Mitgliedsverbänden.
In Österreich erfolgt dies im Rahmen des Projekts Learn to Swim des Österreichischer Schwimmverband (OSV), gefördert durch das Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport (BMWKMS).
Die Ausgangslage zeigt deutlichen Handlungsbedarf: Laut der KFV-Studie „So schwimmt Österreich 2025“ können rund 630.000 Menschen in Österreich nicht schwimmen, darunter 137.000 Kinder und Jugendliche. Weitere 76.000 Kinder gelten als unsichere Schwimmer.
Gleichzeitig werden geeignete Wasserflächen für den Schwimmunterricht zunehmend knapper. Vor allem Hallenbäder stehen vielerorts nur eingeschränkt zur Verfügung oder sind von Sparmaßnahmen betroffen. Ziel des Projekts ist es daher, vorhandene Infrastruktur bestmöglich zu nutzen und zusätzliche Möglichkeiten für qualitätsgesicherten Schwimmunterricht zu schaffen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Ausbildung und Qualifikation von Schwimmlehrpersonen. Derzeit gibt es in Österreich unterschiedliche Ausbildungswege und Standards im Anfängerbereich. Gleichzeitig ist das Gewerbe des „Schwimmlehrers“ nicht reglementiert – grundsätzlich kann jede Person ohne entsprechende Ausbildung Schwimmunterricht anbieten oder eine Schwimmschule eröffnen.
Die Entwicklung eines einheitlichen Ausbildungskonzepts sowie klarer Qualitätsstandards ist daher ein wesentlicher Bestandteil des Projekts.
Langfristig wird eine Fortführung des Projekts nach Mai 2027 angestrebt, um die entwickelten Strukturen nachhaltig in Österreich zu verankern.
Das Projekt Learn to Swim startete im Februar 2025 mit sechs eigens beauftragten Projektkoordinatoren und verfolgt das Ziel, eine nachhaltige Grundlage für die Weiterentwicklung des Schwimmsports und des Schwimmunterrichts in Österreich zu schaffen.
Im Mittelpunkt stehen dabei folgende Maßnahmen:
Im Rahmen des Projekts wurden bereits die bestehenden OSV-Ausbildungen im Anfängerbereich überarbeitet und modernisiert. Dazu zählen insbesondere:
Die Inhalte wurden an aktuelle internationale Standards angepasst und stärker praxisorientiert aufgebaut. Der internationale Austausch erfolgt unter anderem durch die Beteiligung des OSV am Projekt „Aqua Safe Kids“ (ASK) von European Aquatics.
Zusätzlich wird derzeit ein praxisorientiertes Handbuch für Übungsleiter, Instruktoren und Lehrpersonen erstellt. Dieses verbindet theoretische Grundlagen mit direkt einsetzbaren Übungen und Stundenbildern und soll im Herbst 2026 veröffentlicht werden.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die österreichweite Wasserflächen-Erhebung. Dafür wurden sämtliche 2.092 Gemeinden Österreichs kontaktiert. Die erhobenen Daten werden derzeit verifiziert und sollen künftig öffentlich als durchsuchbare Datenbank sowie als interaktive Österreich-Karte zugänglich sein.
Bis April 2027 wird eine zentrale Datenbank aufgebaut, die alle Personen umfasst, die eine OSV-Ausbildung (Übungsleiter, Instruktoren, Elementar-Instruktor, Trainer) absolviert haben. Diese Datenbank soll über die Website des OSV öffentlich einsehbar sein und der Bevölkerung Transparenz darüber bieten, wer Schwimmkurse auf Basis aktuell gültiger internationaler Standards anbietet und über welche Ausbildung die jeweiligen Personen verfügen.
Zum Projektende ist eine zweitägige Abschlussveranstaltung geplant. Theoretische Inhalte werden dabei mit praktischen Workshops kombiniert. Die Veranstaltung dient der Präsentation der Projektergebnisse sowie des adaptierten Ausbildungskonzepts. Zielgruppe sind Lehrpersonen sowie relevante Stakeholder.
Learn to Swim soll langfristig zur zentralen Grundlage für qualitätsgesicherten Schwimmunterricht in Österreich werden.
Ziel des Österreichischer Schwimmverband ist es,
Internationale Beispiele zeigen, welches Potenzial in langfristig angelegten Schwimmlernprogrammen liegt. Diese nachhaltige Entwicklung soll mit Learn to Swim künftig auch in Österreich erreicht werden.
Vom 18. bis 20. Oktober 2024 veranstaltete der Faroe Islands Aquatics (Schwimmverband der Färöer-Inseln) die Learn to Swim Conference in der Hauptstadt Tórshavn. Diese Initiative richtete sich an Schwimmausbilder und -lehrer im In- und Ausland, die ihr Wissen über einen effektiven Schwimmunterricht aktualisieren bzw. ihre Erfahrungen und Erkenntnisse einbringen konnten.
Mehr Informationen darüber findet ihr in unserem News-Beitrag unter diesem Link:
https://www.schwimmverband.at/beitrag/learn-to-swim
Der News-Beitrag mit einer Zusammenfassung und Videos der Learn to Swim Conference aus 2023 in Jurmala ist hier zu finden:
https://www.schwimmverband.at/beitrag/neues-len-pilotprojekt
Bundeskoordinatorin
Regionalkoordinatorin Niederösterreich